Immer wieder diese Unni! Sie ist uns schon häufiger positiv aufgefallen, zum Beispiel mit mit ihrem solo im Osloer Mausoleum aufgenommenen Opus »Vita«. Oder mit ihrem zauberhaften Album »RITE«, das damals bei uns knapp die Adelung zur CD des Monats verfehlte und in Norwegen als bestes Weltmusik-Album des Jahres nominiert war. Jetzt endlich hat es zur Monats-CD gereicht, und so eröffnen wir das Jahr 2010 mit dem Blick auf einen faszinierenden Brückenschlag: Die fest im norwegischen Folk verhaftete Sängerin tat sich mit dem mauretanischen Gitarristen Becaye Aw sowie dem ebenfalls norwegischen Saxofonisten Nystrøm zusammen. Während letzterer normalerweise im Jazz und in der Avantgarde zu Hause ist, erkennt man bei Aw den an die Kora erinnernden, afrikanischen Gitarrenstil.
Auch der CD-Titel »SEVEN WINDS« hat eine interessante Herleitung: Die Musik wurde metaphorisch gesprochen mit sieben Winden in die Welt hinausgetragen, denn das Trio hat im Jahr 2008 Konzerte in Norwegen, Sri Lanka, Koera, China, Indien, Nepal und Tanzania gespielt. Die Texte – es ist die Poesie des norwegischen Lyrikers Olav H. Hauge – wurden im Booklet dementsprechend in viele Sprachen übersetzt.
Was den drei Weltenwanderern hier gelingt, ist weder Folk noch Ambient noch Jazz noch irgend etwas anderes. Es ist der Beweis dafür, dass Musik immer dann am meisten überzeugt, wenn sie sich von Grenzen – seien es geographische oder Genre-Definitionen – löst. Wenn sie wie auf einem Felsen am Meer stehend ihre Seele hinausschreit, dem Nordwind entgegen. Man darf schon jetzt auf Unni Løvlids nächstes Projekt gespannt sein.
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